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Comandantina Dusilova ::: Ixugraphie ::: Little Shops of Horror ::: Trauriger Laden ::: Karlsplatz

Trauriger Laden ::: Karlsplatz

30 Juli 2005
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LSH-Trauriger-Laden-Karlsplatz

Auch im Gewand von Tand und Lichterketten sind die Geschäfte, die die Wiener "Karlsplatzpassage" säumen, an grossem Jammer erkrankt. In dem gut zweihundert Meter langen Gang zwischen Oper und Karlsplatz finden sich Schlüsseldienste, Wettcafés, Stehpizzerie, Briefmarkenläden, Pornoheftkioske und Seidenblumenshops. Ich vergass die Amthyst-Berater und das Geschäft für 2-Euro-Reisetrolleys. Und die dicke Polizeiwachstube.

In der Karlsplatzpassage weht immer warmer Wind. Deswegen stehen hier Babyprostituierte, Junkies und ihre Freunde. Vor jedem Laden stehen sie und gammeln der Zeit ein Loch in die Mütze. Nur vor diesem einen Geschäft stehen sie nicht. Vor diesem einen Geschäft zu stehen, ist sogar für die abgetretendsten Junkies und Methadonzombies der blanke Horror.

Vor dem traurigsten Geschäft der Welt fallen sogar die Fliegen tot aus der Flugbahn. Hier steht niemand ausser der Zeit.

Düster strahlt im nichtgemochtesten Laden der Welt die Schönheit der Architektur. Gelungen dürfen wir die Leithakalkplatten nennen, die, das Gefälle der Passage aufnehmend, assymetrisch aber gefällig in die Stahlparapete gehängt wurden. Auch die Rahmen aus gebürstetem Alulminium gefallen uns. Ein Memento an den International Style, der irgendwann auch in Wien kurz Station gemacht hat. Bitter geht es im Inneren zu. Unverschämt das Weiss der Rigipswände. Wurde hier gar mit stinkender Acrylfarbe gefärbelt?

Zeitlos die Hässlichkeit der grauen Eisentür, die in ein verborgenes Mitarbeiter-Klo führen dürfte. Entsetzlich zwei Flipcharts aus der späten Raiffeisenepoche. Dafür würde man sich inzwischen sogar in Bratislawa schämen. Ob man den kleinen oder den grossen Schemel für abstossender halten soll, lässt das Elend der innenarchitektonischen Inszenierung nicht zu.

Ein Lichtblick hingegen die Spiegelung der Passagenlichtfelder in den zwänglerisch sauber geputzen Scheiben. Hier dringt der öffentliche Raum in das verwaiste Eigentum. Traurig, aber immerhin nicht ohne anekdotischen Wert die Literatur des jämmerlichen Raumensembles: Auf der zentralen Flipchart steht, mit verblasstem Edding geschrieben: NEUER. Unter dem Schloss des gläsernen Portals gefällt uns das rotumrandete Schild mit der Warnung: "Achtung Klimaanlage".


    

1 comment so far SHOW HIDE

1. On 4 Aug 2006, michael wrote:

ach, ich tät auch gern so schreiben können. lieben gruss
michael | 25.06.06 21:00

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